
cdlm/la vega//ccs
donnerstag. mein letzter tag im cdlm. das letzte mal mit den kids. ohne mir gedanken gemacht zu haben, was mich erwarten koennte komme ich an. ueberall plakate – aber keine kinder. als ich die tuer zu bibliothek oeffne fallen sie mir schreiend um den hals, klammern sich an arme und beine, alle landen wir lachend auf dem boden. es gibt knabbereien, sandwiches, wir spielen und hoeren laut musik. meine kollegen haben ein kleines video aus fotos gebastelt und omaira, mit der ich die ganze zeit ueber zusammengearbeitet habe, haelt eine kleine rede und auch ich muss was sagen – und bin eigentlich voellig ueberfordert und ueberwaeltigt, von all dem was ich hoere, sehe, der naehe der kinder oder ihrer scheuen distanziertheit, weil sie nicht wissen, wie mit der situation umgehen… ich ja auch nicht.
vuelve pronto. ven rapido//komm schnell wieder zurueck, sagen die plakate. am nachmittag ist es intensiver, denn dann kommen weniger kinder, die aelteren. zuerst ist es wie der allererste tag. keiner spricht, sie sind wie gelaehmt. es dauert eine weile, bis wir zum ueblichen umgang zureuckfinden – aber eingehuellt in abschiedsdunst, zaghafttraurigtrueb.
auf dem weg zurueck, zuerst vom barrio zur uni, durch die uni zur metro und von da bis zu meiner heimatlichen metrostation, verabscheide ich mich innerlich von menschen, gebaeuden, schildern, situationen. sehe mit alles nochmal genau an. ein letztes mal durch die ein/ausgangskontrolle der uni, ein letztes danke an die wachmaenner, die mir jedesmal die tuer geoffnet haben und wie immer rufe ich ihnen hasta luego zu.
noche de poesía
Februar 7, 2010
hay menos tiempo que lugar / no obstante
hay lugares que duran un minuto
y para cierto tiempo no hay lugar.
mario benedetti
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weniger zeit als raum / und dennoch
existieren manche räume nur eine minute
und für bestimmte zeiten findet sich kein ort.
ü: timo berger
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less time than place, less place than thought of place.
and, if of substance, a likeness of the earth,
that by resemblance twanged him through and through.
ü: wallace stevens
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auf der dachterrasse. mit kissen und kerzen und dem licht, dass aus fenstern und tueren scheint, sitzen wir unter dem idyll der wohnbloecke von 23. enero. in mitten von ranchos und quintas. lesen auf deutsch und auf spanisch gedichte, lesen und lesen, und erklaeren unsere sicht – oder auch nicht. weil zu abstrakt, surreal, unverstaendlich. lesen gut oder schlecht. oder singen. hoeren die worte, angereichert mit gefuehlen, die unsere stimme ihnen mitgibt und sehen bilder entstehen von frauen und maennern, von kinder und blinden, von fenstern und baeumen, strassen und staedten – begleitet von den geraeuschen der nicht einschlafen wollenden stadt, die uns zusammengebracht hat.
gestern: protest in ccs, gegen das abschalten eines tv-kanals, gegen strom- und wasserzwangssparen, gegen die schon eingeschraenkte freie-meinungs-aeusserung, gegen alle verpflichtungen, regelungen, gesetze, die die freiheit einschraenken.
ein bbc-artikel dazu.
licht aus
Januar 13, 2010
ab heute tritt der strom-spar-plan in kraft. bisher nur im landesinneren ist jetzt auch ccs dran. die stadt ist in viele kleine sektoren aufgeteilt, denen nach einem ausgekluegelten plan der strom abgestellt wird. wir wissen noch nicht genau, wann wir dran sind. haben unser viertel zwar gefunden, aber wissen nicht – und es laesst sich auch nicht herausfinden – wann wir denn nun dran sind. heute vormittag ganz offensichtlich noch nicht. vielleicht heute nachmittag? oder ab morgen? jeden zweiten tag, jeweils vier stunden ohne strom. gluecklicherweise tagsueber. nachts, ohne strom/licht, in ccs, einer ohnehin schon spaerlich beleuchteten stadt, in der man wenns draussen dunkel wird auf sich aufpassen sollte… weder in der wohnung, noch im buero gibts einen stormgenerator, dh. wenn der strom weg ist, kann man keine waesche waschen, den mixer nicht benutzen, um saft zu machen, die desktoprechner sind aus, es gibt kein internet, es gibt kein licht und keine kalte luft aus der klimaanlage. wir als kleines buero koennen damit vielleicht einigermassen umgehen… aber was ist mit einkaufszentren, unis, friseursalons, baeckereien, abastos (haben die produktpalette eines tante emma-ladens), banken? was machen die vielen kleinen auto/lautsprecher/metall/holz-werkstaetten, der elektroladen, die kleinen restaurants und der copyshop in unserem viertel – und alle anderen in der uebrigen stadt? es gibt eines liste mit einrichtungen, die weiterhin storm haben – kliniken zum beispiel, wenn auch nicht alle. alle anderen muessen ohne strom auskommen oder sich einen eigenen generator zulegen.
ahhh. warum das so ist: es gibt zuwenig regen, die stauseen, allen voran der guri, sind nicht voll genug, um genuegend stromproduzierende turbinen anzutreiben. so von offizieller seite, auch wichtig, aber von diesen stellen weniger erwaehnt ist die information, dass die instandhaltung in den letzten jahren sehr gelitten hat oder es keine gab.
leider gibts noch mehr schlechte nachrichten… aus meiner sicht bezeichne ich es so. vergangen freitag hat chávez einen dualen wechselkurs fuer den doller angekuendigt und eingefuehrt, sprich den bolívar fuerte, die einheimische waehrung abgewertet. basisgueter (lebensmittel, gesundheitsversorgung, buecher, maschienen) 2,60, alles andere zum kurs von 4,30 bolívares pro dollar. dieses “alles andere” sind importe, autos, elektronische und telekommunikationsgeraete, getraenke, tabak, chemikalien und petrochemische produkte – und entspricht laut el nacional etwa 55% der gueter. das mindesteinkommen in venezuela liegt bei 967bsf, das entspricht etwas 449 us-dollar. das ist nicht viel betrachtet man die preise im supermarkt, 13bsf das kilo zwiebeln, 5bsf ein kilo karotten im angebot, 10bsf fuer 500g kaffee, 19bsf pro kilo avocado… beispiele aus der drogerieabteilung 34bsf fuer bodylotion, 20bsf fuer panteneshampoo. das waren die preise der letzten woche, mit grosser sicherheit werden die preise in den naechsten tagen gewaltig ansteigen. die flugpreise haben sich von montag auf dienstag verdoppelt. noch eine zahl: seit 2005 betrachtet hat venezuela eine kumulierte inflation von 168%, das entspricht einem jaehrlichen durchschnitt von 21,8% (laut el nacional vom 12. jan).
dazu deutsche medien.
… die antwort lautet: das kommt ganz darauf an. ich habe mein erstes erzaehlenswertes autofahrerlebnis hinter mir. mit mir am steuer. nach einem guten jahr haben meine mitbewohnerInnen und ich es geschafft jederzeit zugang zum autoschluessel zu haben, vornehmelich fuer einkaufsfahrten, um stundenlange touren von zwei menschen mit zwei kiloschweren rucksaecken, die sich als grosses hindernis in engen, ueberfuellten camionetas entpuppen, zu vermeiden. am freitag war ich als chauffeuse meiner chefin engagiert. zum huellas-beleghaus den berg rauf, vorher die koechin an der metrostation la paz aufsammeln und wieder zurueck. den weg weiss ich in etwa, strassenschilder lesen kann ich auch – sicherheitshalber hole ich aber noch hinweise ein, wie ich von der metrostation wieder zurueck auf den richtigen weg komme. ausgerechnet der stopp an der metrostation wird mir zum verhaengnis. alles andere ist harmlos, abgesehen, von motorraedern die rechts und links ueberholen, wie sie wollen, man hoert sie nur, findet sie weder im rueck- noch im seitenspiegel, bis sich sich dann ploetzlich auf gleicher hoehe mit der eigenen motorhaube befinden, abgesehen von loecher – oder kratern – in der strasse, abgesehen von anderen verkehrsteilnehmern, die mehr als die ihnen zugedachte strassenseite fuer sich beanspruchen, abgesehen von lichtsignalen oder schildern die unberuecksichtigt bleiben eher den zweck einer lichtorgel erfuellen als signalgeber zu sein.
ich warte am strassenrand, vor geparkten autos, mit warnanlage, kein freier parkplatz, waehrend meine chefin, die koechin sucht. auf der strasse ist viel verkehr. ich gestehe ein, ich stehe ziemlich unguenstig. als der naechste parkplatz frei wird, parke ich ein. leider zu spaet, denn die eifrigen verkehrspolizisten haben mich schon als verkehrhindernis ausgemacht und fragen nach fuehrerschein und papieren und erklaeren mir mein fehlverhalten. das groessere problem als mein unpassender “parkplatz” ist, dass sie meinen fuehrerschein nicht als international anerkennen (oder anerkennen wollen – zumindest ist er eu-weit international…) und die fehlende autorisierung meines einsatzes als fahrerin. meine chefin kommt zurueck und erklaert wortgewaltig, direkt, lautstark, dass es sich um eine ausnahme, eine dringlichkeit handelt, niemand anders verfuegbar war, es nie mehr vorkommt, wir schnellstmoeglich eine autorisierung anfertigen, wir versuchen einen anderen fahrer zu finden, … am ende lassen sie uns ziehen. wir zahlen nichts. kein strafgeld, kein schmiergeld. glueck gehabt. bis das auto wieder in der heimischen garage steht, versuche ich nicht nochmal aufzufallen. denke mir nur, warum hats eigentlich mich erwischt, wenn sich alle auf der strasse doch dauernd fehlverhalten?
kaum zu glauben
November 22, 2009
es wird gespart
November 7, 2009
strom und wasser. in manchen landesteilen schon lange. in mérida ist es in der regel abends zwischen sechs und acht zappenduster. jetzt auch in caracas. jedenfalls wird das wasser abgedreht, genaugenommen 25% weniger eingespeist. unternehmen, geschaefte, haendler, … sind aufgefordert sich stormaggregate zuzulegen. in seiner woechentlichen sendung erkaert chávez, dass man zum duschen nur drei minuten brauchen soll. ironischerweise hatten wir seit dieser ansage immer wasser. obwohl sonst freitag auf samstag oft wasser knapp oder weg war. der strom war bisher auch nur einmal weg. einen sonntag lang, aber das war wohl eher zufall bzw. ein stromausfall, denn es hat nur unseren haeuserblock betroffen. das irgendetwas vor geht, in den wasserleitungen, bemerkt man jedoch schon. seit anfang der woche gibts laute geraeusche in den leitungen… ohne fundierte sanitaerkenntnisse vermuten wir, dass sie durch luft(druck) in den leitungen verursacht werden. das geraeusch, dass mich heute beim aufwachen begleitet ist ausnahmsweise nicht das kraehen der nachbarshaehne, sondern wasserrauschen, die tanks am dach sind voll und laufen ueber, obwohl die zuleitung von der strasse dicht ist. verwirrung. unverstaendnis. mein mitbewohner und ich spielen alle moeglichen gruende durch. schliessen und oeffen leitungen und verschluesse, versuchen die rohverbindungen zwischen den tanks zu verstehen. die conclusion: es ist einfach zuviel druck in der leitung, die von der strasse kommt. das auslaufende wasser tropft durch die decke einen stock tiefer auf den deckel der toilette. der druck hat den anschluss des wasserfilters in der kueche in mitleidenschaft gezogen und die toilettenspuelung. in der zeitung steht, dass taeglich 300 haushalte schaeden durch die wasserrationierung davontragen.

in der welt des huehnchens
Oktober 29, 2009
ich begleite meine chefin zu terminen, wir sind ueber mittag unterwegs und gehen zwischen zwei terminen essen. wir befinden uns im besseren teil der stadt. das restaurant nennt sich “el mundo del pollo” (uebersetzung siehe ueberschrift), ist gross, einladend, sieht ordentlich aus und es wimmelt nur so von kellnern – in schwarzen hosen, weissen hemden und fliege, geschmueckt mit einer strahlend gelben schuerze, ganz aehnlich einer kochschuerze. sie uebertreffen sich an aufmerksamkeit fuer ihre gaeste, es gibt auch noch kellner, mit “zivilen” hemden und ohne schuerze, die fuer die annahme der essensbestellungen zustaendig sind. auf zwei bistrotischgrossen flachbildschirmen, die aufmerksamkeitsanziehend installiert sind, wird rodeoreiten gezeigt. der laden ist halbvoll. gleich neben uns ein langer tisch mit gut zwanzig menschen, die uns ein gespraech fast unmoeglich machen, weil ich die saetze meiner chefin erst nach dem dritten mal nachfragen verstehen kann. wegen der lautstaerke. unter den angestellten gibt es noch eine weitere person, einen herrn, eher kleingewachsen, ganz in gelb gekleidet, mit einer grassgruenen schirmmuetze und gummistiefeln. sein arbeitsgeraet ist ein besen und eine langstiehlige kehrrichtschaufel. er tiegert geschaeftig zwischen den tischen hin und her und beseitig all die heruntergefallenen oder geworfenen kleinigkeiten, servietten, wasserflaschenschraubverschluesse, trinkhalme, zettelchen, bonbonpapier, brotkruemmel und was man sonst noch so alles loswerden kann. der grosse lange tisch loest sich langsam auf und die lautstaerke nimmt ab. das eroeffnet das arbeitsfeld dieses herrn. die kellner ruecken tische auseinandern, stellen stuehle, dazwischen der mann in gelb. mit gekonntem schwung und zielsicher kehrt er zwei servietten auf seine schaufel, das naechste objekt schon anvisiert geht er weiter, ohne sich – mit einem blick – des erfolg seiner arbeit zu versichern. er umrundet den tisch und findet an der gleichen stelle wie vorher zwei papierservietten vor. fast unberuehrt. vom kraftvollen schwung seines besens ueber die schaufel gehoben, sind sie gemaechlich wieder zurueck an ihren platz auf dem gruengefliessten boden geschwebt.


