… die antwort lautet: das kommt ganz darauf an. ich habe mein erstes erzaehlenswertes autofahrerlebnis hinter mir. mit mir am steuer. nach einem guten jahr haben meine mitbewohnerInnen und ich es geschafft jederzeit zugang zum autoschluessel zu haben, vornehmelich fuer einkaufsfahrten, um stundenlange touren von zwei menschen mit zwei kiloschweren rucksaecken, die sich als grosses hindernis in engen, ueberfuellten camionetas entpuppen, zu vermeiden. am freitag war ich als chauffeuse meiner chefin engagiert. zum huellas-beleghaus den berg rauf, vorher die koechin an der metrostation la paz aufsammeln und wieder zurueck. den weg weiss ich in etwa, strassenschilder lesen kann ich auch – sicherheitshalber hole ich aber noch hinweise ein, wie ich von der metrostation wieder zurueck auf den richtigen weg komme. ausgerechnet der stopp an der metrostation wird mir zum verhaengnis. alles andere ist harmlos, abgesehen, von motorraedern die rechts und links ueberholen, wie sie wollen, man hoert sie nur, findet sie weder im rueck- noch im seitenspiegel, bis sich sich dann ploetzlich auf gleicher hoehe mit der eigenen motorhaube befinden, abgesehen von loecher – oder kratern – in der strasse, abgesehen von anderen verkehrsteilnehmern, die mehr als die ihnen zugedachte strassenseite fuer sich beanspruchen, abgesehen von lichtsignalen oder schildern die unberuecksichtigt bleiben eher den zweck einer lichtorgel erfuellen als signalgeber zu sein.

ich warte am strassenrand, vor geparkten autos, mit warnanlage, kein freier parkplatz, waehrend meine chefin, die koechin sucht. auf der strasse ist viel verkehr. ich gestehe ein, ich stehe ziemlich unguenstig. als der naechste parkplatz frei wird, parke ich ein. leider zu spaet, denn die eifrigen verkehrspolizisten haben mich schon als verkehrhindernis ausgemacht und fragen nach fuehrerschein und papieren und erklaeren mir mein fehlverhalten. das groessere problem als mein unpassender “parkplatz” ist, dass sie meinen fuehrerschein nicht als international anerkennen (oder anerkennen wollen – zumindest ist er eu-weit international…) und die fehlende autorisierung meines einsatzes als fahrerin. meine chefin kommt zurueck und erklaert wortgewaltig, direkt, lautstark, dass es sich um eine ausnahme, eine dringlichkeit handelt, niemand anders verfuegbar war, es nie mehr vorkommt, wir schnellstmoeglich eine autorisierung anfertigen, wir versuchen einen anderen fahrer zu finden, … am ende lassen sie uns ziehen. wir zahlen nichts. kein strafgeld, kein schmiergeld. glueck gehabt. bis das auto wieder in der heimischen garage steht, versuche ich nicht nochmal aufzufallen. denke mir nur, warum hats eigentlich mich erwischt, wenn sich alle auf der strasse doch dauernd  fehlverhalten?

heute morgen: ich gehe 10min frueher los, und komme zur gleichen zeit an wie immer. weil ewig keine camioneta kam und es auf den strassen graesslich viele stauschlangen gab.

heute mittag: wir warten im barrio auf den jeep zurueck zur uni. er sollte um 12h da sein… und kommt um dreiviertel eins.
um dreiviertel zwei wollen wir wieder los, wieder hoch ins barrio. aber der fahrer kommt nicht. wir sitzen im buero und vertreiben uns die wartezeit damit, laminierte autos auszuschneiden, fuer die tafel an der die jeepfahrten eingetragen werden sollen. wie ironisch. um halb drei ist noch immer kein jeep in sicht. wir beschliessen mit dem bus zu fahren. steigen in die erste camioneta ein, bis zum “eingang” ins barrio und dort in die naechste. um halb vier gehts wieder zurueck, eine kollegin hat uns einen fahrer organisiert. nach 25min warten laufen wir los, den weg durch la vega, den sonst der jeep nimmt, um dann unten an der grossen strasse wieder eine camioneta bis zur uni zu erwischen. bisher hab ich den grossteil der strassen nur von jeepfenster ausgesehen. nun laufen wir an bodegas, kleinen geschaeften, friseur- und schoenheitssalons vorbei. der gehsteig, wenn vorhanden ist schmal. die autos und motos schiessen auf der strasse vorbei. oder stehen im stau. es ist mir schon oft aufgefallen, aber heute sehe ich es nicht nur, sondern nehme es auch wahr, ein paar synapsen schliessen sich kurz … es gibt ganz viele “telefontischchen” anstatt telefonhaeuschen. ein tisch. ein stuhl mit dem/der betreiberin. auf dem tisch eine schachtel mit handys und glaeser mit suessigkeiten, schokolade, kaugummis. im besten fall ist ein sonnenschirm darueber aufgespannt. in den barrios gibts ganz viele davon. aber auch an anderen hochfrequentierten orten dieser stadt findet man sie. fuer alle, die kein telefon, kein handy oder nicht das richtige netz haben. nicht alle eltern der kinder im cdlm sind per telefon zu erreichen, aber auch nicht immer kommen die informationszettel, die wir den kindern mitgeben, bei den eltern an. wenn es um kostenlose konsultationen bei kinder- oder zahnarzt geht, um wieviel uhr, wo…. und wie dann alle erreichen, wenn die aerztin krank ist, wie in der letzten woche.

im strassenverkehr

März 17, 2009

… gelten zwar laut papier spielregeln, aber in der realitaet sieht das anders aus. und das papier geduldig ist, weiss ja jedeR. auf dem rueckweg vom barrio an die uni ereignete sich die unten dargestellte situation. die ampel war rot, die schlange der linksabbieger lang, die kreuzung (riesengross und unuebersichtlich, das gibt meine zeichung nicht detailgetreu wieder) im prinzip frei, also hat sr. omar seinen u-turn gemacht. wir auf den baenken hinten sind beeindruckt und froh, dass es keinen gegenverkehr gab.  

sromar_5190

vielleicht muss ich hier auch noch eine andere beobachtung anfuegen. es kommt mir so vor, als ob, obwohl die strassen ueberfuellt sind mit autos und den quer durchkurvenden motos, es doch erstaunlich unfallfrei zugeht. ich kann mir das nur damit erklaeren, dass alle verkehrsteilnehmerInnen wachen auges, eher langsam und immer bremsbereit unterwegs sind, um sich durch dieses alltaegliche strassenverkehrschaos zu kaempfen. oder ich hab eine verzerrte wahrnehmung und krieg die unfaelle nur nicht mit.

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